Polizeiarbeit hat nichts mit „Tatort“, aber immer mehr mit Twitter zu tun

Gerechtigkeit & Authentizität

Polizeihauptmeister Dominik Schmidt ist seit 2012 in der Polizeiinspektion Wolfratshausen im Einsatz. Um demokratische Werte zu schützen, setzt er sein Leben auf´s Spiel. In seinem Dienstalltag erlebt er alte Vorurteile, überraschende Einsichten und sogar Entschuldigungen.

An seine erste Begegnung mit der Polizei kann sich Dominik Schmidt noch ganz genau erinnern. Da war er sieben Jahre alt und abends mit dem Radl unterwegs. Er fuhr vom Training in der Schwimmhalle nach Hause. Ohne Licht. „Das hat den Kollegen natürlich nicht gefallen und sie haben mich aufgehalten“, erzählt Schmidt. Was dann folgte, hat den kleinen „Gesetzesbrecher“ nachhaltig beeindruckt. „Die Beamten haben mir erklärt, weshalb es verkehrt ist, was ich gemacht habe, und warum es so gefährlich ist.“ Dann musste er sein Radl bis nach Hause schieben. Seinen Eltern hat er bis heute nichts davon erzählt. „Man prahlt ja nicht damit, wenn man einen Fehler gemacht hat.“ Stattdessen fuhr er seitdem mit Licht.

Dominik Schmidt, Polizeiinspektion Wolfratshausen

„Für mich ist es extrem wichtig, dass es Recht und Gesetz gibt. Man sieht in der Welt, was passiert, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden.“

Dominik Schmidt

Mittlerweile ist Dominik Schmidt selbst Polizeihauptmeister. Nach dem Abitur und dem Grundwehrdienst entschied sich der gebürtige Oberfranke für eine Karriere bei der Polizei. „Für mich ist das einer der sinnvollsten Ausbildungsberufe“, sagt der 31-Jährige. „Dass es Recht und Gesetz gibt, ist für mich extrem wichtig. Denn ohne funktioniert es nicht. Wenn alle Menschen tun und lassen können, was sie wollen, kommt früher oder später Schlamassel dabei raus. Man sieht in der Welt, was passiert, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden.“ Bei seiner Arbeit spielen Werte eine wichtige Rolle (siehe Kasten). Ein authentisches Auftreten steht für Dominik Schmidt an erster Stelle: „Was die Polizei macht, muss für jedermann nachvollziehbar sein.“

Jeder Einsatz ist für Dominik Schmidt eine neutrale „Sachlage“, jeder Beschuldigte ein „Mensch, der einen Fehler gemacht hat“. „Manche Fälle beschäftigen mich aber schon auch noch am Feierabend.“ Den Gedanken, dass er für die Einhaltung von Gesetzen sein Leben riskiert, schiebt er zur Seite. „Das ist eben mein Beruf. Ich würde mir auch wünschen, dass mir jemand hilft, wenn ich in eine Notlage komme.“

Über die Jahre hat Schmidt gelernt, Beleidigungen nicht persönlich zu nehmen. „Jeder Mensch, der auf die Polizei trifft, hat mit einer Stresssituation umzugehen. Da kommt es eben zu Kurzschlusshandlungen.“ Aber auch Einsicht in Fehlverhalten erlebt der Beamte in seinem Dienstalltag: „Vor allem bei Geschwindigkeitsüberwachungen.“ Sogar Entschuldigungen für verbale Entgleisungen kommen vor. Vor allem im Zusammenhang mit Alkohol.

Seine beruflichen Werte sind Dominik Schmidt auch privat wichtig. „Wenn ich mich mit den Werten der Polizei nicht identifizieren könnte, könnte ich meinen Beruf nicht machen. Diese Werte lege ich nicht ab, nur weil ich nach Dienstschluss meine Uniform ausziehe.“ Wie klischeehaft die Arbeit der Polizei in Fernsehserien dargestellt wird, ärgert ihn: „Mit der Realität hat das meist nichts zu tun.“ Speziell den „Tatort“ kann er sich wegen der vielen Fehler gar nicht anschauen. Die einzige Sendung, die einen gewissen Bezug zur Realität habe, sei „Hubert und Staller“. „Unsere Kollegen vom Bahnhof“, scherzt Schmidt – denn die Serie wird nur knapp zwei Kilometer entfernt von der Polizeiinspektion gedreht.

Dominik Schmidt, Polizeiinspektion Wolfratshausen

Das Leitbild mit den Werten der Bayrischen Polizei ist 2018 entstanden. Etwa 8.000 Beamte wurden befragt, was ihnen wichtig ist, was sie motiviert und wonach sie streben. Der Konsens der Selbsteinschätzungen soll Handlungs- und Orientierungsrahmen sein. Darin ist u.a. auch die zeitgemäße Ermittlungsarbeit verankert, was z.B. die Nutzung der Sozialen Medien einschließt.