Maschenweise Qualität statt massenhaft Fast Fashion

Qualität & Handarbeit

Matthias Oberndörfer verbindet Trendbewusstsein und Nachhaltigkeit. Der Baldhamer verkauft Wolle und Selbstgestricktes von artgerecht gehaltenen Merinoschafen.

Die Wolle hielt vor drei Jahren vollkommen unerwartet Einzug in das Leben von Matthias Oberndörfer. „Ich wollte meiner Schwester einen Schal aus Merinowolle zum Geburtstag schenken“, erzählt der 26-Jährige. Das Problem: Einen Schal, so wie er ihn sich vorstellte, gab es nirgends zu kaufen. Kurzerhand beschloss der gelernte Kfz-Spengler, den Schal selbst zu stricken. Er suchte im Internet nach Wolle, brachte sich mit einem Tutorial auf YouTube das Armstricken bei und trennte seine ersten Maschen so lange wieder auf, bis sie perfekt waren.

Das Ergebnis – ein zwei Meter dreißig langer, hellgrauer XXL-Schal – begeisterte nicht nur die Schwester. Die Nachfrage war groß. Oberndörfer erkannte die Marktlücke und zögerte nicht lange. Im Oktober 2017 eröffnete er seinen Online-Shop „meshton.com“. Dort verkauft er Merinowolle und Selbstgestricktes – das englische Wort „mesh“ bedeutet Masche. Aus einer spontanen Idee ist ein nachhaltiges Geschäft geworden, das auch den Gründer selbst oft zum Nachdenken im Alltag anregt.

„Mein Motto: Lieber weniger kaufen, dafür aber in besserer Qualität.“

Matthias Oberndörfer

Meshton-Gründer Matthias Oberndörfer

Merinowolle von artgerecht gehaltenen Schafen ist nämlich nicht leicht zu bekommen. „Im Internet tummeln sich viele unseriöse Billiganbieter aus Asien. Aber auch höherpreisige Angebote aus Australien sollte man kritisch hinterfragen“, weiß der Jungunternehmer. Bis ihn eine Kundin darauf hinwies, dass in Australien viele Merinoschafe qualvoll beschnitten werden, hatte auch Oberndörfer diese Wolle im Sortiment. Sofort begann er sich mit Qualitäts-Zertifikaten und artgerechter Tierhaltung zu beschäftigen – und kündigte seinem Lieferanten.

Die Wolle, die Oberndörfer jetzt anbietet, kommt ausschließlich von Schafen aus Argentinien und Südafrika. „Diese Wolle ist zwar etwas teurer, aber ich weiß, dass kein Schaf dafür gelitten hat.“ Wolle in 15 Farben hat Oberndörfer im Angebot. Er wickelt jedes Wollknäuel per Hand, bindet sein selbstgestanztes Lederlabel daran und verpackt alles sorgfältig. „Knapp
80 Prozent meiner Kunden bestellen nur Wolle bei mir und stricken dann selbst“, erzählt der Gründer, der nebenbei International Management studiert. Wer mag, kann aber auch fertige Schals und kuschelige Decken auf meshton.com bestellen. Die strickt Oberndörfer dann Masche für Masche selbst.

Merinowolle ist ein natürliches Hightech-Produkt

Sie wärmt im Winter, kühlt im Sommer, kratzt nicht, knittert nicht, schützt vor der Sonne, nimmt weder Schmutz noch Schweiß auf – und sie ist schön kuschelig. Auf www.meshton.com verkauft Matthias Oberndörfer Wolle von artgerecht gehaltenen Merinoschafen. Dort finden Sie auch Termine für Strickkurse.

Matthias Oberndörfer verbindet Trendbewusstsein und Nachhaltigkeit. Der Baldhamer verkauft Wolle und Selbstgestricktes von artgerecht gehaltenen Merinoschafen.

Handarbeit und Qualität haben natürlich ihren Preis. „Dafür haben nicht alle Verständnis“, hat Matthias Oberndörfer festgestellt. „Es gibt zwei Gruppen von Konsumenten: Die einen schauen nur auf den Preis. Den anderen ist die Qualität wichtig.“ Auch für Oberndörfer ist das Thema bewusster Konsum noch recht neu. Neben Studium, Hobbies, Freunden und Nebenjob war dafür bisher keine Zeit. Durch sein Unternehmen und den Austausch mit Kunden hat er sich mehr mit dem Thema beschäftigt. „Auch meine Eltern waren gute Vorbilder“, sagt der gebürtige Neukeferloher. „Sie haben immer den Müll getrennt und mein Vater hat Dinge erst noch mal repariert, bevor etwas neu gekauft wurde.“ Der Jungunternehmer versucht, nachhaltig zu leben und bewusst einzukaufen. „Das gelingt mir nicht immer, aber ich werde immer besser“, gibt Oberndörfer lachend zu. „Mein Motto: Lieber weniger kaufen, dafür aber in besserer Qualität.“