10. Dezember 2015

Wirtschaftskunde mit knackigen Anekdoten

Unterhaching - Ein Plädoyer für die Aktie als Anlageform hielt Norbert Faller, Kapitalmarktexperte der Fondsgesellschaft Union Investment, auf dem Anlegerforum der VR Bank München Land eG. Knapp 300 Gäste erlebten auf Einladung der VR Bank im Holiday Inn Unterhaching den Finanzprofi bei einem lebhaften und verständlichen Fachvortrag.

In Fallers Vortrag ging es zwar auch um China und das dort nachlassende Wirtschaftswachstum, doch Fachchinesisch ließ der Fondsmanager komplett außen vor. Er verpackte seine Erkenntnisse über wirtschaftliche Entwicklungen lieber in kleine Geschichten. Er erzählte vom Besuch der Manager eines chinesischen Stahlwerkes, die ihm erst lächelnd erzählten, wie gut alles liefe und ihm dann auf Nachfragen einräumten, dass sie die Hälfte der Produktion derzeit einlagern, weil sie die Ware nicht verkaufen können. Das lasse sich auf mehrere Branchen übertragen, ist der quirlige Finanzfachmann überzeugt. Einzige Ausnahme seien jene Firmen, die für Apples und Samsungs Top-Handys Teile liefern.

Ganz anders die Lage in Europa. Hier haben selbst Länder wie Italien die Wende vollbracht und starten wieder durch. "Eine Entwicklung wie aus dem Bilderbuch", befand Faller mit Blick nach Süden. Regierungschef Matteo Renzi habe ohne großes Aufhebens in kürzester Zeit jeder Menge wichtige Reformen durchgedrückt, die der Wirtschaft neuen Auftrieb geben. Lamborghini plane den Bau einer neuen Fabrik - das erste neue Autowerk in Italien seit 25 Jahren.

Ganz simpel erklärte Faller aber auch, warum er überzeugt davon ist, dass die Zinsen weiter im Keller bleiben: Die europäische Zentralbank will eine Inflation haben. Denn das bedeutet faktisch einen Verlust für die Sparer, oder wie er es nannte eine "negative Realverzinsung". Im Gegenzug bedeutet das dann aber auch, dass die Verschuldung der Staaten geringer wird, weil der Wert des Geldes nachlässt. Das war auch schon in den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg so. Da waren die Zinsen häufig niedriger als die Inflation.

Deshalb sei die sinnvollste Anlageform die Aktie. Denn mit der könne man am Erfolg der Firmen partizipieren. Und gerade die großen deutschen Unternehmen würden - bis auf Volkswagen - aktuell eigentlich alles richtig machen. Dazu gäbe es noch eine jährliche Dividende, die im Durchschnitt der Dax-Unternehmen bei 2,7 Prozent liegt. So viel gibt es auf kein Sparbuch oder Wertpapier. Allerdings mahnte Norbert Faller auch, nicht täglich die Aktienkurse zu studieren und panisch zu werden, wenn der Wert einmal sinkt. Er riet, eine derartige Anlage wie die eigene Immobilie zu betrachten. Die bewohnt man und irgendwann im Alter verkauf man sie und freut sich über eine Wertsteigerung.

Wirtschaftskunde mit knackigen Anekdoten